Weiteres Etappenziel erreicht

Der Domglockenverein hat ein weiteres entscheidendes Etappenziel bei der Realisierung des Neuen Domgeläutes für den Magdeburger Dom erreicht: am 7. und 31. März hat die Glockengießerei Bachert aus Neunkirchen die Aufträge zum Guss von sieben Glocken im Gesamtgewicht von ca. 12 Tonnen bestätigt. Mit der Bronze hat sich die Gießerei bevorratet und einen Großteil des Materials hat der Verein bereits bezahlt. Anfang April hat das Aufmauern des Glockenkerns der 6-Tonnen-Glocke AMEMUS schon begonnen. Den Guss hat die Gießerei für den Juni vorgesehen. Auch im Juni soll die BENEDICAMUS gegossen werden. Die fünf weiteren Glocken – CANTEMUS, QUERAMUR, DUBITEMUS, RESISTAMUS und SPEREMUS – sollen im vierten Quartal gegossen werden. Das stellt auch für den Künstler Gert Weber eine gewaltige Herausforderung dar, da die Glockenzier für sieben Glocken fertiggestellt werden muss. Wenn alles nach Plan läuft, können zum Weihnachtsfest 2022 im Dom acht Glocken bestaunt werden. Dann werden allerdings die finanziellen Mittel, die der Verein in den vier Jahren seines Bestehens akquiriert hat, erst einmal aufgebraucht sein. Dafür, dass die AMEMUS und die DOMINICA geläutet werden können, braucht es weitere große Anstrengungen. So wie schon für den Guss der sieben Glocken, wird auch für den Ausbau des Nordturms etwa eine halbe Million Euro benötigt.

Brand- & Friedensläuten am 3. März 2022

Der Dom im „Himmelsbrand“ (Foto: Uwe Vernaldi)

Aufruf der Europäischen Dom-, Münster- und Bauhüttenmeister

Wir, die Gemeinschaft der Bauverantwortlichen der großen Kathedral- und Domkirchen Europas von Norwegen bis Malta und von Spanien bis in die Ukraine, möchten zum Krieg in der Ukraine nicht schweigen.

Europa brennt – wir wollen am Donnerstag, den 03.03.2022 mittags um 12.00 Uhr, die Glocken unserer Kirchen 7 Minuten läuten lassen, jede Minute für einen Tag dieses unsinnigen Krieges.

Mit diesem Läuten
erklären wir uns solidarisch mit den Menschen,
die diesen Krieg aushalten und um ihr Leben bangen müssen,
die den Widerstand gegen eine Übermacht organisieren müssen,
die vor dem Krieg fliehen müssen,
die den Mut haben, gegen die Kriegstreiber in ihrem Land zu protestieren und
die in den Ländern leben, die unmittelbar von diesem Krieg betroffen sind.

Mit diesem Läuten
trauern wir um die Toten aller beteiligter Länder.
drücken wir unseren Dank aus, sollten die Waffen bis dahin schweigen.

Mit diesem Läuten
beten wir für alle, die von diesem Krieg betroffen sind.
Mit diesem Läuten
beten wir um Frieden

Jeder aus unserer Gemeinschaft setzt sich in seinem Umfeld dafür ein, dass auch die Menschen aller anderen Kirchen hiervon erfahren und das Brandläuten an vielen Orten Europas zu hören sein wird.

Die Europäische Vereinigung der Dombau-, Münsterbau- und Bauhüttenmeister

Der Magdeburger Dom St. Mauritius und Katharina, eine bedeutende gotische Kathedrale im Herzen Europas

Mitteilung 

Der Domglocken Magdeburg e.V. schließt sich dem obenstehenden Aufruf der Europäischen Vereinigung der Dombau-, Münsterbau- und Bauhüttenmeister (Dombaumeister e.V.) (http://dombaumeisterev.de/) an.
Der Magdeburger Dom, die älteste und bedeutendste gotische Kaiser-Kathedrale Deutschlands, gehört zu den großen Domkirchen Europas und soll auch wieder ein adäquates Geläut erhalten. Noch in diesem Jahr wird der Verein sieben neue Glocken im Gesamtgewicht von fast 12 Tonnen gießen lassen. Wir bitten um Ihre Spende, damit diese Glocken bald von den Türmen rufen können. Beim europaweiten Läuten für den Frieden am 03.03.2022 kann der Magdeburger Dom leider nur mit seinem rudimentären Geläut von nur 3 Glocken teilnehmen , aber der Verein wird während des sieben Minuten dauernden Läutens die reparierte DOMINICA 24-mal anschlagen, so dass auch ihre Stimme zu hören sein wird. Möge sie bald das Geläute des Nordturmes vervollständigen und als Glocke schwingend rufen: „…Lasst uns hinschauen!“

 

Auch die reparierte DOMINICA wird an dem Friedensläuten am 3. März 2022 teilnehmen

Atelierbesuch bei Gert Weber

Am 23.02.2022 hatten Martin Groß und Johannes Sattler vom Vorstand des Domglocken Magdeburg e.V. die Gelegenheit, den Künstler Gert Weber in seinem Atelier in Ohrdruf/Thüringen zu besuchen. Dabei erhielten wir interessante Einblicke in die Arbeitsweise des Künstlers, konnten Stand und Fortgang der Arbeiten an der Glockenzier der AMEMUS vor Ort in Augenschein nehmen und über den weiteren Fortgang der Arbeiten sprechen.
Die Entstehung der Zier für eine Glocke umfasst mindestens fünf Arbeitsschritte:
• Zuerst wird eine (Kohle)-Zeichnung der Glockenzier im Maßstab 1:1 angefertigt

• Auf dieser Zeichnung wird, eventuell in mehreren Teilen, das Positiv-Modell aus Ton geformt

• Wenn dieses bis in die letzten Einzelheiten ausgearbeitet und fest ist, wird es eingekastet und mit Gips ausgegossen
• Nach dem Aushärten des Gipses werden die Reste des Tons entfernt und das Negativ-Modell fertig bearbeitet

• Das Positiv-Modell aus Wachs, das dann die „Falsche Glocke“ ziert, entsteht, indem das In Wasser getränkte Gips-Modell mit einer Schicht heißen Wachses überzogen wird. Abgekühlt (ausgehärtet) kann das Wachs vorsichtig von der Form gelöst und auf der „Falschen Glocke“ platziert werden.

Gert Weber mit dem Gips-Modell des Ottonischen Domes für die Rückseite der Glocke (revers)

Gert Weber hat schon die Gips-Modelle des Zierfrieses für den Glockenwolm sowie des Ottonischen Domes für die Rückseite fertiggestellt. Auch ein Teil des Wachsmodells des Zierfrieses war probehalber zu sehen. Ebenso war das Gips-Modell der Hände für die Vorderseite, die eine hockende Figur schützend umfassen, fertig. An dem Ton-Modell für die weitere Zier der Vorderseite arbeitet der Künstler zurzeit.
Da die Glockengießerei Bachert im April 2022 mit der Aufmauerung der Form der AMEMUS beginnen möchte, war unsere Frage an den Künstler, ob das denn in seine zeitliche Planung passen würde. Nach seinen Worten ist er im ständigen Austausch mit der Gießerei und dabei besonders mit der firmeneigenen Künstlerin, Frau Weiß. Die Zielsetzung, etwa Ende April bis Mitte Mai die falsche Glocke zu verzieren, hält er für realistisch.

Sehr interessant war auch, eine Zeichnung der 14-Tonnen-Glocke CREDAMUS in Original-Größe ansehen zu können. Auch von einigen anderen Glocken liegen die 1:1-Zeichnungen vor.
Auf die im Domglockenfachbeirat diskutierte Frage, wo in seiner Zier denn Platz für das Gießerei-Siegel der Firma Bachert sei, nahm er gern die Anregung von Johannes Sattler auf, dieses (runde) Siegel in einer „Null“ der Jahreszahl zu platzieren.

Martin Groß neben der Zeichnung der CREDAMUS in Originalgröße

Auf unsere Frage, wie es denn um die Zier der sechs kleineren Glocken bestellt sei, die möglicherweise auch noch zum Ende dieses Jahres gegossen werden, antwortete Gert Weber, dass er kontinuierlich arbeiten würde und auch diese Wachselemente bis zum Guss im 4. Quartal realisieren könnte.

Insgesamt kann eingeschätzt werden, dass mit Gert Weber ein sehr engagierter Künstler an der Zier des Neuen Magdeburger Domgeläutes arbeitet, der aus einem tiefen christlichen Glauben heraus an das Projekt herangeht.

Zum Jahreswechsel 2021/2022

Der Vereinsvorstand dankt allen Vereinsmitgliedern, Spendern, Stiftern und Glockenpaten für ihr außerordentliches Engagement und wünscht ihnen einen guten Wechsel in das Jahr 2022. Auch unseren Partnern in Gemeinde und Gesellschaft danken wir für die gute Zusammenarbeit und wünschen ihnen für das neue Jahr alles Gute!
Dabei hoffen wir, gesund zu bleiben und alle Herausforderungen und Überraschungen, die das kommende Jahr bereit hält, gut zu meistern.
An guten Vorsätzen und Aufgaben für 2022 mangelt es nicht:

  • Es steht der Guss von fünf bis sieben Glocken an (Grafik siehe hier)
  • Der Nordturm-Ausbau muss planerisch in die Wege geleitet werden
  • Wir möchten die Zahl von 200 Vereinsmitgliedern erreichen

Für 2021 kann der Verein eine hervorragende Bilanz seiner Arbeit ziehen:

  • Es konnten mehr als 100.000 € an Spenden gesammelt werden
  • Die Voraussetzungen für den Glockenguss (Glockennamen, Glockenzier) wurden geschaffen
  • Bronze für sieben der acht neuen Glocken wurde gekauft
  • Der Gussauftrag für die AMEMUS wurde an die Glockengießerei Bachert in Neunkirchen vergeben und für das 2. Quartal 2022 bestätigt.

Mit dem Blick auf unseren Dom von der „Elbschaukel“ her, senden wir Ihnen allen gute Wünsche für Glück, Segen und Gesundheit für das Jahr 2022!

 

 

Auf dem Weihnachtsmarkt

In diesem Jahr nahm der Verein erstmals die Gelegenheit wahr, für einen Tag in der „Vereinshütte“ auf dem Magdeburger Weihnachtsmarkt präsent zu sein. Dort konnten wir mit Plakaten, unserem Roll-Up und einem Video, das das Neue Domgeläute in seiner ganzen visuellen und akustischen Pracht zeigte, für unser Vorhaben werben. Unterstützt wurde der Vorstand durch etliche Magdeburger Vereinsmitglieder, allen voran Alt-Oberbürgermeister Dr. Willi Polte, die in 2-Stunden Schichten halfen, Glühwein und Punsch auszuschenken, selbstgebackene Glockenkekse an den Mann und die Frau zu bringen und vor allem über unseren Verein und sein großes Vorhaben zu informieren und Spenden dafür zu sammeln. Nachdem das Publikumsinteresse am Vormittag noch überschaubar war, zog es doch ab 15 Uhr spürbar an. Da war die Kälte nebensächlich. Es konnten viele Gespräche geführt werden und auch noch Weihnachtskarten, Honig, gespendet von Vereinsmitglied Dr. Lührs vom Domgymnasium, Kugelschreiber und Kunstdrucke mit Dom-Motiv vom Künstler Thomas Begrich gegen Spenden abgegeben werden. Insgesamt zieht der Vorstand eine durchwachsene Bilanz dieser Aktion. Ob sich der organisatorische, finanzielle und personelle Aufwand gelohnt hat, wird sich erst später erweisen, wenn möglicherweise Vereinseintritte oder weitere Spenden zu verzeichnen sind.

Die „Vereinshütte“ auf dem Breiten Weg zwischen Südfrüchte-Verkauf und dem Stand der 1. FC Magdeburg

Vernissage im Dom zu Magdeburg

Die Ausstellung der Künstlerentwürfe zur Glockenzier wurde im Rahmen einer Vernissage eröffnet, zu der der Domglocken Magdeburg e.V. eingeladen hatte. Um 18:00 Uhr waren im Dom etwa 50 Gäste versammelt und lauschten den einleitenden Klängen der Dombläser. Dann wurden sie durch Andreas Schumann MdL, den Vorsitzenden des Domglockenvereins, willkommen geheißen. Der Staats- und Kulturminister des Landes Sachsen-Anhalt, Herr Rainer Robra, und der Bürgermeister und Beigeordnete der Landeshauptstadt, Herr Klaus Zimmermann, übermittelten Grußworte, bevor Vorstandsmitglied Rainer Kuhn und Carsten Sußmann vom Büro sussmann + sussmann, architekten und ingenieure näher auf das Wettbewerbsverfahren und die Entwürfe der Künstler eingingen. Rainer Kuhn, der die Sitzung des Entscheidungskuratoriums moderiert hatte, betonte die Schwierigkeit, vor der das Gremium stand, aus vier künstlerisch hochwertigen, völlig unterschiedlichen Entwürfen einen Sieger auszuwählen. Auf der Sitzung sei lange,und lebhaft diskutiert worden, bis nach etwa vier Stunden der Siegerentwurf eine Stimmenmehrheit bekam, die dann das gesamte Gremium mittrug. Carsten Sußmann erläuterte nochmals das in seinem Büro durchgeführte Verfahren der Eingangsregistrierung, bei der alle Entwürfe auf rechtzeitige Abgabe, Vollständigkeit und sachliche Korrektheit überprüft worden waren. Seitens des Prüfers gab es weder inhaltliche, terminliche noch organisatorische Einwände zu den eingereichten Arbeiten, so dass alle am Wettbewerb teilnehmen konnten.

Dann endlich konnte Rainer Kuhn den Sieger des Realisierungswettbewerb vorstellen. Es ist der Künstler Gert Weber aus Gräfenhain in Thüringen, der das Entscheidungskuratorium mit seinem Konzept überzeugen konnte. Insbesondere die einheitliche Glockenrückseite (revers), die mit einer Abbildung des ottonischen Doms von der Bronzegrabplatte des Erzbischofs Friedrich von Wettin (1154-1192) einen zeitlichen Bogen von über 1000 Jahren schlägt, habe ihn als Archäologen beeindruckt. Durch diesen „Kniff“ habe Gert Weber sowohl das Erzbistum Magdeburg zur Zeit Ottos des Großen als auch die schon damals hochentwickelte Kunst des Bronzegusses in Magdeburg in die Gegenwart geholt. Nicht zuletzt wird durch die Einheitlichkeit der Glockenrückseiten die geforderte „Geschwisterlichkeit“ aller neuen Glocken dargestellt.

Gert Weber betonte in seiner anschließenden Kommentierung, dass er sehr stolz und glücklich sei, den Wettbewerb gewonnen zu haben. Er habe mit den Flachreliefs auf den Glocken seinen christlichen Glauben darstellen können und werde nun mit großem Elan und freudig ans Werk gehen.

Nach einem weiteren musikalischen Intermezzo der Dombläser eröffnete Andreas Schumann MdL die Ausstellung, die nun für drei Wochen im Dom zu sehen sein wird.

Die Vernissage wurde mit einem Sekt-Empfang für die Gäste in der Großen Sakristei abgeschlossen.