Das Projekt

 

Glockenguss

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Die Sanierung des Domgeläuts zu Magdeburg

Das Domgeläut soll wegen seiner besonderen Bedeutung wieder mit 12 Glocken ausgestattet sein. Dazu müssen die nur noch 4 vorhandenen Glocken durch 8 neue Glocken ergänzt werden. Nur so erhält der Magdeburger Dom wieder ein vollwertiges Kathedralgeläut, wie es jede Kathedrale selbstverständlich besitzt, die der Bedeutung des Magdeburger Doms entspricht.

Projektbeschreibung

Ergänzung und Sanierung des Magdeburger Domgeläutes

Einführung

Der Magdeburger Dom St. Mauritius und Katharina ist die erste und damit älteste und bedeutendste gotische Kathedrale Deutschlands. Sie ist die Grablege des ersten Kaisers des Römischen Reiches Deutscher Nation, Otto I. (des Großen) und seiner ersten Gemahlin, Königin Aedgith (Editha) von Wessex. In ottonischer Zeit bestand hier eine Doppelkirchenanlage mit einer Südkirche im Bereich des heutigen Domes und einer Nordkirche im Bereich des benachbarten Domplatzes. Der Bau des gotischen Domes wurde 1207 oder 1209 – nachdem der südliche Vorgängerbau am Karfreitag des Jahres 1207 abgebrannt war – begonnen, im Jahre 1363 geweiht und 1520 mit der Vollendung des Westwerkes – einschließlich der beiden über 100 m hohen Türme – vollendet. Damit ist der Magdeburger Dom eine der ganz wenigen gotischen Kathedralen auf deutschem Boden, die noch im Mittelalter fertiggestellt wurden und stellt ein Alleinstellungsmerkmal dar.

Beschreibung des Ist-Zustandes des Domgeläutes

Das Geläute des Magdeburger Domes besteht zurzeit aus 4 (vier) Glocken, von denen 3 im Nordturm hängen. Der Südturm des Domes trägt seit Jahrhunderten keine Glocken.

  • „Osanna“ (Susanne): gegossen 1702 durch Johannes Jacobi, Berlin. Sie wiegt ca. 8.800 kg und hat den Schlagton e0+6
  • „Apostolica“: gegossen 1690 durch Jacob Wenzel, Magdeburg. Sie wiegt ca. 4980 kg und hat den Schlagton b0+5
  • „Dominica“: gegossen 1575 durch Eckehart Kucher, Erfurt. Sie wiegt ca. 2.600 kg und hat den Schlagton h0+6. Die „Dominica“ kann seit über 12 Jahren nicht geläutet werden, da mehrere Kronenhenkel, die das Gewicht der Glocke tragen, abgebrochen sind. Außerdem ist sie ausgeschlagen und hat einen zu schweren Klöppel.
  • „Orate“: gegossen im 13. Jahrhundert (Beginn des Dom-Neubaus) durch einen nicht namentlich bekannten Glockengießer. Sie wiegt ca. 200 kg, hat den Schlagton e‘‘+1 und hängt im Dachreiter auf der Vierung
    Dazu existiert noch die „Schelle“. Sie ist starr im „Oktogon“ des Nordturmes aufgehängt und dient als „Viertelstunden-Glocke“ der Domuhr.
Beschreibung des Soll-Zustandes des Domgeläutes

Das Domgeläute soll wegen seiner besonderen Bedeutung wieder mit 12 (läutbaren) Glocken ausgestattet sein. Dazu müssen die unter dem Ist-Zustand beschriebenen Glocken durch 8 neue Glocken ergänzt werden. Außerdem muß die „Dominica“ repariert werden, damit sie wieder geläutet werden kann. Nur so erhält der Magdeburger Dom wieder ein vollwertiges Kathedralgeläut, wie es jede Kathedrale selbstverständlich besitzt, die der Bedeutung des Magdeburger Domes entspricht. Die untenstehende Zusammenstellung der neu zu gießenden Glocken wurde in enger Abstimmung mit dem Glockensachverständigen der Evangelischen Kirche Mitteldeutschlands (EKM), Herrn Christoph Schulz, erarbeitet:

  • Glocke I: Glockengießerei noch offen, Gewicht ca. 14.000 kg, Schlagton d0, Kosten ohne Glockenzier ca. 357.000,– € (Angebot Glockengießerei Bachert, Mannheim von 2019)
  • Glocke III: Glockengießerei noch offen, Gewicht ca. 5.800 kg, Schlagton g0, Kosten ohne Glockenzier ca. 143.000,– € (Angebot Glockengießerei Bachert, Mannheim von 2019)
  • Glocke VI: Glockengießerei noch offen, Gewicht ca. 1.720 kg, Schlagton d‘, Kosten ohne Glockenzier ca. 32.000,– € (Angebot Glockengießerei Bachert von 2019)
  • Glocke VII: Glockengießerei noch offen, Gewicht ca. 1.300 kg, Schlagton e‘, Kosten ohne Glockenzier ca. 27.000,– € (Angebot Glockengießerei Bachert von 2019)
  • Glocke VIII: Glockengießerei noch offen, Gewicht ca. 910 kg, Schlagton f‘, Kosten ohne Glockenzier ca. 20.000,– € (Angebot Glockengießerei Bachert von 2019)
  • Glocke IX: Glockengießerei noch offen, Gewicht ca. 820 kg, Schlagton g‘, Kosten ohne Glockenzier ca. 19.000,– € (Angebot Glockengießerei Bachert von 2019)
  • Glocke X: Glockengießerei noch offen, Gewicht ca. 580 kg, Schlagton a‘, Kosten ohne Glockenzier ca. 13.000,– € (Angebot Glockengießerei Bachert von 2019)
  • Glocke XI: Glockengießerei noch offen, Gewicht ca. 440kg, Schlagton h‘, Kosten ohne Glockenzier ca. 11.000,– € (Angebot Glockengießerei Bachert von 2019)

Die Glocke I wäre nach der Petersglocke des Kölner Doms („Dicker Pitter“, Schlagton c0, 24.000 kg) die zweitgrößte läutbare Glocke Deutschlands und die einzige mit dem Schlagton d0. Die ehemals in Deutschland in Görlitz und Berlin vorhandenen d0-Glocken sind im 2. Weltkrieg verloren gegangen

Bisherige Aktivitäten für das Projekt
  • 23.02.2015: Auf Bitte von Dr. Mathias Reuner und Martin Groß berät der Glockensachverständige der EKM, Christoph Schulz, über die Idee, konkret eine Generalsanierung des Magdeburger Domgeläutes in Angriff zu nehmen.
  • 15.03.2016: 1. Expertensitzung mit Christoph Schulz, Andreas Huth (Gebietskonservator, Landesamt für Denkmalpflege Sachsen-Anhalt), Carsten Sußmann, (sußmann+sußmann, architekten + ingenieure) Als Gäste nehmen teil: Dr. Mathias Reuner und Martin Groß.
  • 30.03.2016: 2. Expertensitzung mit Christoph Schulz, Andreas Philipp (Glockensachverständiger der Ev. Landeskirche von Hannover), Giselher Quast (Domprediger) und wiederum als Gäste Dr. Mathias Reuner und Martin Groß
  • 26.04.2016: 3. Expertensitzung mit Dr. Mathias Köhler, Gebietsreferent Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie und Mitglied im Beratungsausschuss für das Deutsche Glockenwesen, Andreas Huth, Gebietskonservator, Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie, Ralf Lindemann, Baudirektor der Stiftung Dome und Schlösser Sachsen-Anhalt, Christoph Schulz, EKM-Glockensachverständiger, Carsten Sußmann (sußmann + sußmann, architekten und ingenieure) und als beauftragter Vertreter der Domgemeinde für die „Initiative Generalsanierung Domgeläut Magdeburg“ Martin Groß. Herr Schulz legt schriftlich seine abgestimmten Vorschläge für ein Domglockengeneralsanierungsprojekt vor, in dem die wesentlichen Notwendigkeiten umrissen werden, die auch die groben Kosten für die neu zu beschaffenden Glocken beinhaltet. Darüber hinaus hat Herr Schulz bei der Glockengießerei Lauchhammer (Kunstguss Lauchhammer GmbH) für die 6 weiteren neu zu gießenden Glocken Grobschätzungen abgefordert (siehe Soll-Zustand)
  • Im Jahr 2016 rief der damalige Domprediger Giselher Quast anlässlich seiner Verabschiedung in den Ruhestand zu Spenden für die Reparatur der „Dominica“ auf.
  • 29. und 30.04.2017: Messung der Turmschwingungsverhältnisse durch die Spezialfirma Dr. Beirow und Partner. Die dafür anfallenden Kosten von 8.200 € wurden partiell durch die Domgemeinde, den Domförderverein sowie im Hauptanteil durch M. Groß privat übernommen. Am 12.06.2017 wurde das entsprechende Gutachten übergeben.
  • 12.09.2017: Durchführung einer erforderlichen Zusatzmessung im Auftrag Kulturstiftung Sachsen-Anhalt (ehemals Stiftung „Dome und Schlösser“), die auch die Finanzierung übernahm. Das entsprechende Gutachten wurde am 28.09.2017 übergeben.
  • 12.09.2017: 4. Expertensitzung. Besprechung der Ergebnisse aus den durchgeführten zwei Schwingungsmessungen der Firma Dr. Beirow. An dieser Sitzung nahmen Herr Dr. Beirow; Herr Kunze, Herr Dr. Köhler; Herr Lindemann; Herrn Schulz; Frau Steller (Leiterin des Baureferates der Kulturstiftung Sachsen-Anhalt); Herr Carsten Sußmann und Herr Klotsch sowie als Gast, Martin Groß, i.A. der Ev. Domgemeinde teil. Es wurde folgender Beschluss gefasst: In Abänderung des Glockenprojektentwurfes werden für bestimmte Glockenumplatzierungen die schwingungsdynamischen Auswirkungen auf die Domtürme bis Anfang Oktober erneut berechnet (Finanzierung durch die Kulturstiftung Sachsen-Anhalt, ehem. Stiftung Dome und Schlösser).
  • Im Jahre 2017 wurden Spendenmittel von Privatpersonen eingeworben und Werbemaßnahmen im Dom getätigt. Außerdem wurde die Domgemeinde in die Aktivitäten einbezogen.
  • 10.03.2018: Gründungsversammlung des Vereins Domglocken Magdeburg e.V.
  • Bis jetzt sind Finanzierungszusagen für die Glocken VIII, IX, X und XI beim Verein eingegangen. Für die Glocken IX und X sind schon Spenden auf dem Vereinskonto gebucht. Die Kosten für die Glocke XI wurden durch private Spender vollständig aufgebracht.
Untersetzung des Projektes in einzelne Abschnitte

Reparatur der Dominica

Für die Reparatur der „Dominica“ gibt es ein gültiges Kostenangebot der Glockenschweißerei Lachenmeyer/Nördlingen über ca. 22.000,– € (brutto). Auch für die nötigen Steinmetzarbeiten (ca. 10.500,– €) und den Transport und die Aufstellung der reparierten Glocke (ca. 10.000,–) liegen Kostenangebote vor. Die Kosten für die fachliche Begleitung dieser Arbeiten liegen bei etwa 4.500,– €. Da der Verein aus Spenden bereits über die Mittel verfügt, diese Kosten übernehmen zu können, ist dieser 1. Abschnitt des Projektes mit dem Ausbau der Glocke aus dem Turm und der Verladung und dem Transport nach Nördlingen am 05.06.2019 in die Tat umgesetzt worden. Die Glocke wurde am 25.09.2019 in Nördlingen geprüft, am 30.09.2019 in den Dom gebracht und schon zum Erntedankfest 2019 am 06.10. wieder im Dom präsentiert.

Fertigstellung der Glockenanlage des Nordturmes

Im Nordturm werden 4 der 12 Glocken des Domgeläutes hängen

Es sind dies:

  • „Osanna“ (von 1702)
  • g0-Glocke ( Neuguss)
  • „Apostolica“ (von 1690)
  • „Dominica“ (von 1575, repariert 2019)

Zusätzlich zum vorhandenen Glockenstuhl wird ein weiterer auf einer darüber liegenden Glockenstuhlebene installiert. Die untere Ebene nimmt die „Osanna“ und die neu zu gießende g0-Glocke auf. Die obere Ebene wird mit „Apostolica“ und der reparierten „Dominica“ bestückt. Es ist geplant, diese Arbeiten bis Ende 2022 abzuschließen. Das Büro sußmann+sußmann, architekten + ingenieure übernimmt die Planungs- und Konstruktionsarbeiten, die im Domglockenfachbeirat bereits konkretisiert wurden. So wird die einzuziehende Zwischenebene der Glockenkammer schalldurchlässig konzipiert werden, damit ein größeres Raumvolumen für die Klangentfaltung zur Verfügung steht. Die neuen Glockenstühle sollen aus denkmalrechtlichen Gesichtspunkten wie die vorhandenen als Holz-Konstruktion ausgeführt werden. Die baulichen Arbeiten werden durch das Büro sußmann+sußmann, architekten + ingenieure ausgeschrieben und die Bauausführung durch dieses Büro überwacht. Für Baumaßnahmen übernimmt die Eigentümerin des Domes, die Kulturstiftung Sachsen-Anhalt, die Kosten.

Ausbau des Südturmes

Der dritte Abschnitt des Projektes umfasst den Ausbau des Südturmes. Dort gibt es zurzeit nur planerische Arbeiten. So müsste der vorhandene Fahrstuhl bis auf Höhe des Steinmetzbodens zurück gebaut werden. Es müssen 2 Glockenstuhl-Ebenen eingezogen werden, von denen die untere die 14-Tonnen-d0-Glocke aufnehmen soll. Die obere Ebene soll nach den bisherigen Planungen als Ring ausgebildet werden, damit, wie unter dem Punkt „Fertigstellung der Glockenanlage des Nordturmes“ bereits erläutert, die Schalldurchlässigkeit gegeben ist, und die sechs kleineren Glocken (d‘, e‘, f#‘, g‘, a‘, h‘) aufnehmen. Die konkrete Ausführung der Konstruktion – ob als Beton- oder Holzkonstruktion wird noch mit den damit befassten Fachleuten abzuklären sein.

Für den Abschluss dieser Arbeiten hat sich der Verein als Ziel das Jahr 2025 gesetzt.

Das Projekt als Ganzes erachtet der Verein als sehr ambitioniert und nur in Zusammenarbeit mit der Eigentümerin des Domes (Kulturstiftung Sachsen-Anhalt) dem Hauptnutzer (Evangelische Domgemeinde) als realisierbar. Dazu gilt es, Fördermittel einzuwerben und das Bürgerschaftliche Engagement der Magdeburger und aller Freunde des Magdeburger Domes zu nutzen.

Das heutige unvollständige Domgeläut

Das restaurierte Domgeläut der Zukunft

visualisiert von:
sußmann+ sußmann, architekten+ingenieure magdeburg
www.sussmann.biz

Gesamtüberblick zum Projekt

Nr. I

bisher ohne Namen

Ist + Soll: neu geplant
Gießer/Firma: noch offen

geschätzte Kosten (brutto):
Guss ohne Glockenzier: ca. 357.000 €
Klöppel: ca. 12.600 €

Gewicht: 14.000 kg
Ton: d0+6

Nr. II
„Susanne“ (Osanna)

Ist + Soll: 1702
Gießer/Firma: Johannes Jacobi, Berlin

Gewicht: 8.800 kg
Ton: e0+6

Nr. III
bisher ohne Namen

Ist + Soll: neu geplant
Gießer/Firma: noch offen

geschätzte Kosten (brutto):
Guss ohne Glockenzier: ca. 142.800 €
Klöppel: ca. 4.940 €

Gewicht: 5.800 kg
Ton: g0+6

Nr. IV
„Apostolica“

Ist + Soll: 1960
Gießer/Firma: Jacob Wenzel, Magdeburg

Gewicht: 4.980 kg
Ton: b0+5

Nr. V
„Dominica“

Ist + Soll: 1575
Gießer/Firma: Eckehart Kucher, Erfurt

geschätzte Kosten (brutto):
Guss ohne Glockenzier: Reparatur 21,115,36 €
Klöppel: ca. 2.700 €

Gewicht: 2.362 kg
Ton: h0+8

Nr. VI
bisher ohne Namen

Ist + Soll: neu geplant
Gießer/Firma: noch offen

geschätzte Kosten (brutto):
Guss ohne Glockenzier: ca. 32.130 €
Klöppel: ca. 1.970 €

Gewicht: 1.720 kg
Ton: d‘

Nr. VII
bisher ohne Namen

Ist + Soll: neu geplant
Gießer/Firma: noch offen

geschätzte Kosten (brutto):
Guss ohne Glockenzier: ca. 27.370 €
Klöppel: ca. 1.510 €

Gewicht: 1.300 kg
Ton: e‘

Nr. VIII
bisher ohne Namen

Ist + Soll: neu geplant
Gießer/Firma: noch offen

geschätzte Kosten (brutto):
Guss ohne Glockenzier: ca. 20.230 €
Klöppel: ca. 1.070 €

Gewicht: 910 kg
Ton: f#‘

Nr. IX
bisher ohne Namen

Ist + Soll: neu geplant
Gießer/Firma: noch offen

geschätzte Kosten (brutto):
Guss ohne Glockenzier: ca. 19.040 €
Klöppel: ca. 950 €

Gewicht: 820 kg
Ton: g‘

Nr. X
bisher ohne Namen

Ist + Soll: neu geplant
Gießer/Firma: noch offen

geschätzte Kosten (brutto):
Guss ohne Glockenzier: ca. 13.090 €
Klöppel: ca. 650 €

Gewicht: 580 kg
Ton: a‘

Nr. XI
bisher ohne Namen

Ist + Soll: neu geplant
Gießer/Firma: noch offen

geschätzte Kosten (brutto):
Guss ohne Glockenzier: ca. 10.710 €
Klöppel: ca. 500 €

Gewicht: 440 kg
Ton: h‘

Nr. XII
„Orate“

Ist + Soll: 13. Jh.
Gießer/Firma: unbekannt

Gewicht: ca. 200 kg
Ton: e‘‘+1

Domglocken Magdeburg e.V.

Geschäftsstelle:
Am Dom 1
39104 Magdeburg

Telefon: 0159-01110212 (Johannes Sattler) oder 0391-6227557 (Martin Groß)

E-Mail: domglocken.magdeburg.ev@gmx.de